|
Solange du dem andern sein Anderssein nicht verzeihen kannst, bist du noch weit ab vom Wege der Weisheit. (Chinesische Weisheit)
1. ADS ist keine Charakterschwäche, sondern eine neurologische Störung Da es sich bei den Symptomen und Auswirkungen dieser "Störung" um Dinge handelt, die jeder Mensch in "kleiner Dosis" tagtäglich erlebt, ist die Verständnis für eben dies sehr gering. ADS'ler bekommen ihr Leben lang zu hören: "Reiß dich zusammen!" ,"Sei doch nicht so egoistisch", "Du bist einfach nur zu faul!" oder gar "Wenn du mich lieben würdest, dann würdest du dir mehr Mühe geben!". Genauso könnte man aber jemanden mit zwei gebrochenen Beinen vorwerfen, dass er sich nicht ohne Hilfe kilometerweit bewegen kann.
2. Helfen sie dem ADS'ler seine Diagnose zu akzeptieren und aus seinem gewohntem Verhaltensmuster auszubrechen Geben sie ihm Hoffnung, dass sich alles zum Guten wenden kann. Gerade bei Menschen, bei denen erst im erwachsenem Alter ADS diagnostiziert wurde, hat sich schon eine Menge Schmerz und Kummer aufgebaut. Jahrelang sind sie über Steine gestolpert, die für andere unsichtbar waren, haben Rückschläge über Rückschläge erlitten. Nicht selten sind Zwangsstörungen, Depressionen und Ängste Folgen einer undiagnostizierten ADS. Diese Menschen haben Selbstwertgefühl und Hoffnung verloren, dass ihr Leben sinnvoll ist, sie wertvolle Menschen sind. Jeder ADS'ler kommt unterschiedlich gut oder schlecht mit den verwirrenden Gefühlen oder Tiefschlägen klar. Oft aber empfinden sie starken Scham, Demütigung und Selbstkasteiung. Mir persönlich kam mein Leben wie ein dreistöckiges Kartenhaus vor. Man fing an, alles zu kontrollieren. Jeder Schritt zur Seite, nach hinten oder vorne würde es zum wanken oder gar einbrechen bringen. Aber das ist es, was man nach der Diagnose ADS schaffen muss... man muss sein zähes Verhaltensmuster ändern, lernen wieder positiv zu denken... einen Schritt nach vorne gehen. Davor haben ADS'ler Angst, denn Hoffnung bedeutet zu riskieren, dass man wieder eine Niederlage erlebt. Haben sie also Geduld, geben sie auch kleinen Fortschritten Anerkennung. Und vor allem: Nehmen sie Rückschläge nicht persönlich!
3. Hören sie zu, erlauben sie dem ADS'ler einen Neuanfang. Lenken sie seine Energie 80 Prozent seiner Energie verwendet ein ADS'ler dafür seinen Kopf durch alle Niederlagen und Rückschlägen über Wasser zu halten. Viele verfangen sich in ein Netz von Lügen und Ausreden, damit Außenstehenden nicht auffällt, wie kaputt das Leben und wie verwirrt der Betroffene ist. Diese Energie muss umgelenkt werden, statt Schwächen zu verstecken, Stärken betonen. Aber es kostet Mut die Mauern fallen zu lassen und Hilfe anzunehmen.
4. Rückhalt geben, Grenze waren, Angst/ Scham in Wut umwandeln Mir selbst ist es oft passiert, dass ich mich von Bekannten oder gar fremden Menschen habe kritisieren lassen oder mir Dinge angehört habe, die denjenigen im Grunde genommen nichts angeht. Jeder "gesunde" Mensch hätte sofort gesagt: "Moment mal, warum darf der so mit dir reden? Warum lässt du dir das gefallen?" oder "Was interessiert dich die Meinung eines völlig Fremden?". Leider sind viele ADS'ler schon so lange in depressiver Stimmung oder haben Leid erfahren, dass sie anfangen zu glauben, sie wären "schlechte" Menschen, das Leben würde sie bestrafen oder sie haben gar verdient, was ihnen widerfährt. Sie verlieren aus den Augen, dass sie intelligente, liebevolle und wertvolle Menschen sind, die ein Recht haben sich zu schützen, eine Privatsphäre haben. Ja, sogar Fehler machen dürfen ohne an den Pranger gestellt zu werden. Ich hatte die Tendenz mich hinter "stärkeren" Menschen wie meinen Vater oder eine selbstbewusste Freundin zu verstecken, die dann - um mir zu helfen - für mich in die Offensive gingen. Auf Dauer hatte das Vermeidungsängste zur Folge. Heute weiß ich, dass so das Problem nur vor mir hingeschoben wurde, daher mein Ratschlag: Geben sie ihrem ADS'ler Rückhalt, feuern sie ihn an wütend zu reagieren, die Menschen, die seine Grenzen überschreiten zurückzuweisen und auch mal laut zu werden. Erinnern sie Ihn daran, dass er das Recht hat zu widersprechen. Wut ist besser zu steuern als Angst und Scham. Wut stimuliert den ADS'ler und Stimulation bringt den ADS'ler dazu aktiv zu werden.
5. Bestätigung und Ermutigung Erwachsenen mit ADS benötigen sehr viel Ermutigung. Dies ist teilweise das Ergebnis der vielen Selbstzweifel, die sich bei Ihnen über die Jahre angesammelt haben. Aber es ist mehr als das. Mehr als die durchschnittliche Person verdorrt der ADS-Erwachsene ohne Ermutigung und leuchtet in positiver Weise auf wie ein ,,Weihnachtsbaum", wenn er Sie bekommt. Er arbeitet oft für andere in einer Weise, wie er nicht für sich selbst arbeiten würde. Das ist nicht ,,schlecht", das ist nun einmal so. Dies sollte anerkannt und genützt werden.
Wenn der andere sich mit allen seinen Fehlern, die er noch besser kennt als ich, erträgt,
warum sollte ich ihn nicht ertragen? JEAN PAUL, deutscher Schriftsteller
|